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Beste Freundinnen - der ganz normale Wahnsinn

Über Nähe, die keine gemeinsame Postleitzahl braucht


Es gibt Menschen, die treten in dein Leben und bringen Ruhe, Klarheit und innere Ordnung.


Und dann gibt es meine beiden ältesten Freundinnen.


Sie bringen ehrliche Meinungen, sehr lange Telefonate, spontane Lachanfälle und gelegentlich die beruhigende Erkenntnis, dass man mit den richtigen Menschen selbst aus einem völlig normalen Dienstag ein kleines Ereignis machen kann.


Dieser Beitrag ist für euch zwei.



Beste Freundinnen - der ganz normale Wahnsinn


Für die zwei Frauen, die mich seit über 20 Jahren kennen.


In verschiedenen Versionen.

Mit verschiedenen Frisuren.

Mit verschiedenen Plänen.


Und vermutlich auch mit verschiedenen Ausreden dafür, warum ich gerade mal wieder „nur kurz“ anrufen wollte.


Eine von euch ist nah an meinem Alltag. Wir sehen uns alle paar Wochen, telefonieren mehrmals die Woche und schaffen es trotzdem, immer wieder neue Themen zu finden. Das muss man erst einmal können. Andere Menschen brauchen dafür ein aufregendes Leben.


Wir brauchen manchmal nur einen Satz wie: „Du glaubst nicht, was passiert ist.“


Und dann passiert im Grunde Folgendes:

Nichts Weltbewegendes.

Aber ausführlich.


Du bist die Freundin, die vieles direkt mitbekommt. Die kleinen Geschichten, die spontanen Gedanken, die aktuellen Dramen in handlicher Alltagsgröße. Du kennst die Dinge, die eigentlich niemand wissen müsste, die aber dringend erzählt werden müssen, weil sie sonst innerlich unnötig Platz wegnehmen.


Du weißt, wann ich Zuspruch brauche.

Wann eine ehrliche Ansage.

Wann eine Umarmung.

Und wann einfach nur betreutes Aufregen.


Eine unterschätzte Form der Fürsorge.


Und dann bist da du, meine andere alte Herzensfreundin.


Die, die weiter weg ist.

Die ich seltener sehe.

Mit der nicht jeder Alltag geteilt wird, aber dafür diese besondere Vertrautheit bleibt, die sich von Entfernung erstaunlich wenig beeindrucken lässt.


Bei uns können längere Pausen entstehen. Das Leben macht in der Zwischenzeit schließlich gern sein eigenes Programm. Arbeit, Familie, Alltag, innere Sortierarbeiten, Wäscheberge, Weltlage. Dieses ganze Erwachsenenpaket, das offenbar ohne Rückgaberecht geliefert wurde.


Und dann telefonieren wir.

„Nur kurz.“


Ein Satz, der bei uns ungefähr so glaubwürdig ist wie „Ich merke mir das ohne es aufzuschreiben“.


Aus einem kleinen Update wird ein Lebensbericht.

Aus „Wie geht’s dir?“ werden drei Kapitel mit Rückblende.

Aus einem Telefonat die große Zusammenfassung mit Bonusmaterial und Director’s Cut.


Und genau damit überbrücken wir die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen.


Mit Stimmen.

Mit Lachen.

Mit Erinnerungen.

Mit Sätzen wie: „Weißt du noch?“

Und mit dieser wunderbaren Fähigkeit, nach längerer Zeit nicht fremd zu sein, sondern einfach wieder anzuknüpfen.


Freundschaft wird oft sehr feierlich beschrieben. Als Band, als Geschenk, als Anker. Das stimmt alles. Aber manchmal ist Freundschaft auch einfach:


„Ich muss dir kurz was erzählen.“


Gefolgt von einer halben Stunde Vorgeschichte, drei Nebenhandlungen und der Erkenntnis, dass eigentlich gar nicht so viel passiert ist.


Und ihr hört trotzdem zu.

Meistens.


Zumindest lange genug, um an den richtigen Stellen „Oh nein“, „Typisch“ oder „Ich wusste es“ zu sagen. Das ist eine unterschätzte Kunstform und sollte offiziell anerkannt werden.

Mit euch ist Leben leichter. Nicht unbedingt organisierter, nicht immer vernünftiger und ganz sicher nicht leiser. Aber leichter.


Ihr seid meine Realitätsprüfung, wenn ich mir Dinge schönrede.

Mein Backup-System, wenn ich innerlich kurz Windows 95 spiele.

Meine Expertinnen für Fragen wie:„Übertreibe ich?“


Wobei wir alle wissen: Die Antwort lautet meistens „ein bisschen“, aber ihr sagt es wenigstens liebevoll.


Ihr seid beide auf eure eigene Weise nah.


Die eine mitten im Alltag, mit regelmäßigem Kontakt, kurzen Wegen im Herzen und langen Gesprächen am Telefon. Die andere über Entfernung hinweg, seltener sichtbar, aber sofort wieder vertraut, sobald wir sprechen.


Und beide seid ihr nicht wegzudenken.


Nicht als Gruppe.

Nicht als Clique.

Nicht als gemeinsames Paket.


Sondern als zwei eigene, wunderbare Freundschaften, die mein Leben seit über 20 Jahren begleiten. Zwei Menschen, die sich untereinander nicht kennen müssen, um beide zu meinem innersten Kreis zu gehören.


Ihr kennt mich, wenn ich glänze. Und auch dann, wenn ich aussehe, als hätte ich mit dem Alltag gerungen und knapp nach Punkten verloren.


Ihr kennt meine Träume, meine Zweifel, meine kleinen Macken, meine großen Gefühle und diese speziellen Momente, in denen ich sehr überzeugend so tue, als hätte ich alles im Griff.

Eine schöne Tradition. Komplett unrealistisch, aber schön.


Mit euch kann ich lachen, bis nichts mehr elegant ist.

Ich kann ehrlich sein, ohne mich vorher zurechtzurücken.

Ich kann erzählen, schweigen, zweifeln, hoffen und mich sortieren.

Ihr erinnert mich daran, wer ich bin, wenn ich es kurz vergesse.


Und ihr bringt mich zum Lachen, wenn ich zu ernst werde. Was ehrlich gesagt öfter nötig ist, als ich öffentlich zugeben möchte.


Vielleicht ist genau das wahre Freundschaft:


Nicht immer am selben Ort zu sein.

Nicht immer gleich oft voneinander zu hören.

Nicht dieselben Rituale zu haben.


Sondern zu wissen:


Da sind Menschen, bei denen ich echt sein darf.

Menschen, die bleiben.

Menschen, die zuhören.

Menschen, die auch nach über 20 Jahren noch ans Telefon gehen, obwohl sie es inzwischen besser wissen müssten.


Das nenne ich Liebe. Oder Mut.

Wahrscheinlich beides.


Denn nach über 20 Jahren geht es nicht mehr nur darum, dass man sich mag. Das wäre zu einfach. Man mag ja auch Schokolade, frische Bettwäsche und Menschen, die im Supermarkt nicht mitten im Gang stehen bleiben, als hätten sie dort gerade ihre Lebensaufgabe gefunden.


Nein, nach über 20 Jahren ist Freundschaft etwas anderes.


Sie ist gewachsen.

Mit uns.

Neben uns.

Manchmal trotz uns.


Sie hat unsere Umwege mitgemacht, unsere Entscheidungen überlebt, unsere Dramen ausgehalten und all die Versionen von uns gesehen, die wir heute mit leichtem Kopfschütteln, viel Nachsicht und gelegentlichem „Was war da bitte los?“ betrachten.


Ihr wart da, als ich noch nicht wusste, wer ich bin.


Ihr seid da, während ich es immer wieder neu herausfinde.


Und ihr werdet vermutlich auch dann noch da sein, wenn ich irgendwann behaupte, jetzt aber wirklich endlich weise zu sein. Bitte glaubt mir dann nicht sofort. Aus Prinzip.



Manche Menschen begleiten einen nur ein Stück. Sie passen in eine bestimmte Zeit, in ein bestimmtes Kapitel, in eine bestimmte Version des eigenen Lebens.


Und das ist nicht falsch.


Aber dann gibt es Menschen, die bleiben nicht nur in einem Kapitel stehen.


Sie wandern mit.

Nicht immer sichtbar auf jeder Seite.

Nicht in jeder Szene.

Nicht mit täglicher Anwesenheit und dramatischer Hintergrundmusik.


Aber sie sind da.


Zwischen den Zeilen.

In Erinnerungen.

In Stimmen am Telefon.

In diesem vertrauten Gefühl, nicht erklären zu müssen, warum man so ist, wie man ist.


Ihr seid zwei dieser Menschen.


Zwei Freundinnen.

Zwei ganz eigene Geschichten.

Zwei Verbindungen, die mein Leben geprägt haben.


Und ich weiß nicht, wie viele Kapitel noch kommen.


Das Leben ist ja leider kein ordentlich beschrifteter Aktenordner, sondern eher ein Stapel loser Zettel im Wind.


Aber ich weiß: In den wichtigsten Seiten meiner Geschichte kommt ihr vor.


Nicht als Randnotiz.

Nicht als hübsche Erinnerung.

Sondern als Teil von dem, was mich getragen, geformt und immer wieder zurück zu mir gebracht hat.


Und dafür liebe ich euch.

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