Zwischentöne: Sechs Fragen an Aline Bambach
- Anju || Still.Leben

- vor 3 Stunden
- 5 Min. Lesezeit

Wer ist Aline Bambach?
Diesmal beantwortet Aline Bambach die sechs Fragen von Zwischentöne.
Als Pädagogin und Kinderbuchautorin bringt sie ein feines Gespür für die emotionalen Welten von Kindern und Jugendlichen mit. In ihrer Arbeit begleitet sie vor allem junge Menschen, die oft als „herausfordernd“ beschrieben werden – Kinder und Jugendliche mit intensiven Gefühlen, komplexen Lebensrealitäten und Erfahrungen, die nicht immer gesehen oder verstanden werden.
Dabei geht es ihr weniger um das Verhalten selbst, sondern um das, was dahinter liegt – und darum, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Haltung findet sich auch in ihrem Schreiben wieder.
Mit ihrem Kinderbuch „Elian und das Geheimnis von Lunavia“ hat Aline Bambach eine fantasievolle Geschichte geschaffen, in der Gefühle, Ängste und innere Prozesse auf kindgerechte Weise sichtbar werden. Im Mittelpunkt steht der Wunsch, verstanden zu werden – und die leise Botschaft, dass Sensibilität keine Schwäche ist. Die Geschichte lädt dazu ein, der eigenen Gefühlswelt mit mehr Vertrauen und Verständnis zu begegnen.
Zusätzlich teilt Aline auf Instagram unter @herz.psychologiker Impulse rund um Psychologie, Pädagogik und therapeutische Ansätze – verständlich, herzlich und mit Blick auf mehr Klarheit im Kopf und im Herzen. Mit ihrem feinen Gespür macht sie auch komplexe Zusammenhänge greifbar und lädt dazu ein, sich selbst und andere ein Stück besser zu verstehen.
1. Was beschäftigt dich gerade am meisten?
Mich beschäftigt gerade sehr mein eigener Weg, sowohl als Pädagogin, Autorin, sowie als Mensch. Ich bin dabei, mir etwas aufzubauen, das einmal größer werden soll als nur ein einzelnes Buch. Eine Welt, eine Idee, die Menschen berührt und ihnen etwas mitgibt. Gleichzeitig merke ich, dass dieser Weg Geduld braucht und genau das ist manchmal herausfordernd. Es ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Vertrauen und Ungeduld. Ein Teil von mir weiß ganz genau, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und ein anderer Teil wünscht sich, dass die Dinge schneller sichtbar werden.
Gleichzeitig spüre ich aber auch, wie sehr ich mich verändert habe. Das letzte Jahr war für mich von viel Umbruch geprägt. Es gab einiges zu verarbeiten und es war nicht immer einfach. Vor allem meine Arbeit als Pädagogin hat mich in dieser Zeit stark gefordert und geprägt. Trotzdem bin ich weitergegangen. Ich bin daran gewachsen, ruhiger geworden und klarer in mir. Ich vergleiche mich weniger und spüre heute mehr denn je, wer ich bin und wofür ich stehe. Vielleicht beschäftigt mich genau das am meisten: diesen Weg weiterzugehen, auch wenn noch nicht alles sichtbar ist und dabei trotzdem an mich und meine Vision zu glauben. Und mir selbst dabei näher zu sein als je zuvor.
2. Was hat dich in den letzten Jahren besonders geprägt?
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mich am meisten geprägt. Vor allem die leisen, sensiblen Kinder, die oft übersehen werden, obwohl sie so viel in sich tragen.
Darüber hinaus hat mich aber auch sehr bewegt, wie viele Kinder durch unser System fallen oder viel zu schnell in bestimmte Rollen gedrückt werden. Häufig werden Verhaltensweisen bewertet, ohne wirklich zu verstehen, was dahinter steckt. Als pädagogische Fachkraft habe ich oft erlebt, wie belastend es sein kann, wenn man helfen möchte, aber an Grenzen stößt, die durch Strukturen, Hierarchien oder äußere Bedingungen gesetzt werden. Dieses Gefühl, zu sehen, was ein Kind braucht, es aber nicht immer in dem Maße umsetzen zu können, prägt sehr. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie kräftezehrend die Arbeit im sozialen Bereich ist. Fachkräftemangel, hohe Anforderungen und nicht immer wertschätzende Rahmenbedingungen fordern viel, vor allem, wenn man mit Herz arbeitet und wirklich etwas bewegen möchte. All diese Erfahrungen haben meinen Blick geschärft: für das, was Kinder wirklich brauchen, und für das, was oft fehlt.
Und genau daraus ist auch mein Buch entstanden. Ich wollte einen Raum schaffen, in dem diese Kinder gesehen werden und in dem das, was sie fühlen, nicht als Schwäche, sondern als Stärke verstanden wird.
3. Was sollte man dich unbedingt einmal fragen – tut es aber nie?
Vielleicht: „Wie viel von dir steckt eigentlich in deinen Geschichten und warum erzählst du genau diese?“
Viele denken, es sei „nur Fantasie“. Aber in meinen Geschichten steckt sehr viel Echtes, Gefühltes und Erlebtes. Schreiben ist für mich kein Abstand zur Realität, sondern eine andere Art, sie zu verstehen und zu verarbeiten. Gleichzeitig entsteht das, was ich schreibe, nicht nur aus mir selbst, sondern auch aus den Erfahrungen, die ich in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sammeln durfte. Besonders mit denen, die oft am Rand stehen, schnell bewertet werden oder als „schwierig“ gelten. Ich habe gelernt, dass hinter jedem Verhalten eine Geschichte steckt und dass kein Kind einfach verloren ist. Oft ist es nicht das Kind, das „nicht passt“, sondern der Blickwinkel, aus dem es betrachtet wird.
Genau das möchte ich in meinen Geschichten sichtbar machen und beleuchten. Dass hinter dem, was oft als schwierig wahrgenommen wird, in Wahrheit Stärke, Tiefe und unerfüllte Bedürfnisse liegen. Und dass jedes Kind es verdient, gesehen und verstanden zu werden.
In meinen Büchern steckt deshalb nicht nur Fantasie, sondern auch ein tiefes Vertrauen darin, dass jeder Mensch seinen Platz finden kann, wenn man bereit ist, wirklich hinzuschauen. Vielleicht schreibe ich genau deshalb diese Geschichten, weil ich daran glaube, dass niemand verloren geht, solange jemand hinschaut.
4. Was gibt dir Energie?
Energie finde ich vor allem in der Stille.
Allein Zeit zu verbringen, mich zurückzuziehen und ganz bei mir zu sein, gibt mir unglaublich viel. Ich tauche dann gerne in meine eigenen Gedanken und inneren Welten ein, in meine Träume, meine Fantasie und finde dort Ruhe und neue Kraft. Auch das Zeichnen und Schreiben sind für mich solche Momente. Wenn ich darin versinke, fühlt es sich an, als würde ich gleichzeitig bei mir ankommen und etwas erschaffen. Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Arbeit als Pädagogin oft laut und intensiv ist. Umso mehr habe ich gelernt, die leisen Momente zu schätzen.
5. Was sollten mehr Menschen ausprobieren?
Mehr auf sich selbst zu hören. In einer Welt, die oft laut vorgibt, wie man sein sollte, verlieren viele den Zugang zu ihrer eigenen Stimme. Gerade leise Menschen versuchen häufig, sich anzupassen, sich richtig zu machen, anstatt sich selbst wirklich zu begegnen. Ich glaube, viele würden überrascht sein, was entsteht, wenn man sich erlaubt, einfach zu sein. Ohne ständiges Hinterfragen. Ohne sich kleiner zu machen, als man ist. Und vielleicht auch: den Mut zu finden, den eigenen Träumen zu folgen. Alles beginnt mit einem ersten Schritt. Und genau dieser Schritt fühlt sich oft am schwersten an, weil er ins Unbekannte führt. Unbekanntes macht Angst, das ist ganz natürlich.
Aber manchmal liegt genau hinter dieser Angst das, wonach wir uns am meisten sehnen. Vielleicht wartet dort nicht nur ein Traum, sondern ein Teil von uns selbst, den wir noch nicht kennengelernt haben.
Man muss nicht den ganzen Weg sehen.
Man muss nur bereit sein, loszugehen.
6. Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen?
Dass mit ihr alles in Ordnung ist.
Dass sie nicht „zu viel“ fühlt, sondern genau richtig ist, so wie sie ist. Ich würde ihr sagen, dass all die Erfahrungen, durch die sie gehen muss, nicht umsonst sind. Auch wenn vieles sich schwer anfühlt, wird genau das sie zu dem Menschen machen, der sie einmal sein und lieben wird.
Dass sie Vertrauen ins Leben haben darf.
Dass nicht immer alles sofort Sinn ergibt, aber dass es oft einen gibt, der sich erst später zeigt. Und dass sie an sich glauben soll. An ihre Träume, ihre Wünsche, an das, was sie in sich spürt. Dass sie nicht aufhören soll, daran festzuhalten, auch dann nicht, wenn es unsicher wird oder sich der Weg unklar anfühlt.
Vielleicht würde ich ihr einfach sagen:
Dein Herz ist stärker, mutiger und tragfähiger, als du es dir gerade vorstellen kannst, das Menschen und Tiere in ihr Leben treten werden, die vieles verändern.
Aber vor allem; alles, was du suchst, trägst du längst in dir.
Herzlichen Dank, liebe Aline für das Teilen deiner Zwischentöne.





Kommentare