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Rückwege: Warum Entwicklung manchmal rückwärts beginnt

Über Rückwege und innere Ordnung


Wir lernen früh, dass Entwicklung nach vorne geht. Vorwärts. Aufwärts. Weiter. Zurück gilt als Rückschritt, als Zweifel, als Scheitern. Und doch habe ich in den letzten Jahren etwas anderes erfahren: Manche der wichtigsten Bewegungen in meinem Leben führten nicht nach vorn, sondern zurück.


Nicht aus Stillstand. Sondern aus Klarheit.


Rückweg


Wenn Vorwärtsgehen nicht mehr trägt


Es gibt Phasen, in denen ich merke, dass mein Vorwärtsdrang hohl geworden ist. Ich funktioniere, plane, setze um – und doch fühlt sich nichts wirklich stimmig an. Die Richtung stimmt nicht mehr, auch wenn das Tempo beeindruckend aussieht. In solchen Momenten habe ich lange versucht, noch mehr zu optimieren. Noch entschlossener weiterzugehen.


Bis mir klar wurde: Ich entferne mich dabei immer weiter von dem, was mich ursprünglich getragen hat.



Der Schritt zurück als Akt von Selbstachtung


Einen Schritt zurückzugehen fühlt sich im ersten Moment widersprüchlich an. Es kratzt am Selbstbild. Am inneren Anspruch, „es doch eigentlich besser zu wissen“. Aber Rückwege sind nicht automatisch Flucht. Manchmal sind sie eine bewusste Entscheidung, wieder Boden unter den Füßen zu spüren.


Zurückzugehen kann heißen:


  • innezuhalten, bevor man sich weiter verheddert

  • alte Fragen neu zu stellen

  • zu prüfen, wo man abgebogen ist, ohne es zu merken


Nicht alles, was nach vorne führt, führt auch zu sich selbst.



Zurück zum Anfang – nicht aus Nostalgie


Manchmal bedeutet Rückweg nicht nur einen Schritt, sondern mehrere. Zurück an den Anfang. Zu dem Punkt, an dem etwas entstanden ist: eine Entscheidung, eine Haltung, ein Muster.


Nicht, um dort zu bleiben. Sondern um zu verstehen.

Was war damals der eigentliche Kern?

Welche Motivation lag darunter?

Welche Angst vielleicht auch?


Zurück zur Wurzel zu gehen heißt nicht, die Vergangenheit zu idealisieren. Es heißt, die Struktur zu erkennen, aus der alles Weitere gewachsen ist. Und nur wer die Wurzel kennt, kann entscheiden, was weiter genährt werden soll – und was nicht mehr.



Rückwege sind keine Niederlage


Wir leben in einer Kultur, die Geschwindigkeit belohnt und Korrekturen misstrauisch beäugt. Dabei sind Rückwege oft ein Zeichen von Reife. Sie zeigen, dass jemand bereit ist, ehrlich hinzusehen, statt stur durchzuziehen.


Für mich war das Zurückgehen oft der Moment, in dem sich etwas entkrampft hat. Nicht, weil plötzlich alles gelöst war. Sondern weil ich mir selbst erlaubt habe, nicht recht haben zu müssen.



Entwicklung ist nicht linear


Je länger ich lebe, desto weniger glaube ich an lineare Entwicklung. Wachstum verläuft in Schleifen, in Pausen, in Wiederholungen. Manche Wege müssen wir zweimal gehen, um sie wirklich zu verstehen.


Ein Rückweg ist dann kein Umweg, sondern ein Vertiefen. Ein langsameres, bewussteres Gehen. Ein Wiederanknüpfen an das, was trägt.



Zurückgehen, um weiterzukommen


Vielleicht ist das der eigentliche Sinn von Rückwegen: Sie bringen uns zurück in Beziehung – zu uns selbst, zu unseren Motiven, zu unserer inneren Wahrheit.

Nicht jeder Schritt zurück ist richtig. Aber manche sind notwendig.

Und vielleicht ist Entwicklung manchmal genau das: den Mut zu haben, nicht weiterzulaufen, sondern noch einmal zurückzugehen – bis man wieder spürt, warum man überhaupt losgegangen ist.

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