Am Ende des Regenbogens
- Anju || Still.Leben

- vor 11 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Was ich am Ende meines Regenbogens fand
Es gab eine Zeit, da war ich mir sicher, was ich wollte. Meine Wünsche hatten Richtung, meine Lebensziele waren klar. Sie gaben mir Halt und das Gefühl, unterwegs zu sein – nicht ziellos, sondern zielgerichtet. Wie ein Regenbogen, der verspricht: Wenn du ihm lange genug folgst, wartet dort etwas auf dich.
Ich habe lange geglaubt, dass dieses „Dort“ entscheidend ist.
Alte Wünsche gehören zu alten Versionen von uns
Heute weiß ich: Viele meiner Wünsche waren ehrlich. Sie waren nicht falsch. Aber sie gehörten zu einer früheren Version von mir. Zu einer Zeit, in der andere Dinge wichtig waren. In der ich Sicherheit gesucht habe. Anerkennung. Vielleicht auch Beweise dafür, dass ich „richtig“ lebe.
Diese Wünsche haben mich getragen. Sie haben mir Richtung gegeben, wenn ich sie gebraucht habe. Aber sie waren nie dafür gedacht, für immer zu bleiben.
Manche Wünsche sind Wegbegleiter – keine Lebenspartner.

Wenn sich Lebensziele verändern, fühlt sich das erst leer an
Als ich merkte, dass meine Ziele leiser wurden, fühlte sich das nicht nach Entwicklung an. Es fühlte sich nach Verlust an. Plötzlich wusste ich nicht mehr genau, wohin ich wollte. Was früher motiviert hat, ließ mich kalt. Was einst Sinn machte, wirkte fremd.
Doch diese Leere war kein Rückschritt. Sie war ein Übergang.
Veränderte Lebensziele entstehen nicht aus Unentschlossenheit, sondern aus Erfahrung. Aus dem Wissen, wie sich Dinge anfühlen, wenn man sie wirklich lebt – und nicht nur davon träumt.
Warum es kein Scheitern ist, Träume loszulassen
Wir haben gelernt, dass Träume etwas sind, das man verteidigen muss. Dass Durchhalten Stärke ist. Und dass Loslassen gleichbedeutend mit Aufgeben sei.
Ich glaube inzwischen das Gegenteil.
Ein Traum, der nicht mehr passt, ist kein Versagen – sondern ein Hinweis. Er zeigt, dass wir uns weiterentwickelt haben. Dass wir nicht stehen geblieben sind. Scheitern wäre, an etwas festzuhalten, nur weil es einmal wichtig war. Scheitern wäre, sich selbst zu übergehen, um einer alten Idee treu zu bleiben.
Am Ende des Regenbogens
Am Ende meines Regenbogens fand ich kein Ziel, das ich abhaken konnte. Ich fand auch keinen neuen großen Traum, den ich sofort ersetzen musste.
Was ich fand, war etwas Ruhigeres: Die Erlaubnis, mich nicht festlegen zu müssen. Die Freiheit, Wünsche verändern zu dürfen. Und das Wissen, dass ein gutes Leben nicht davon abhängt, ob man ankommt – sondern ob man ehrlich bleibt.
Vielleicht ist das der wahre Schatz am Ende des Regenbogens: Nicht das Erreichen eines Ziels, sondern das Loslassen der Vorstellung, dass es eines geben muss.
Und vielleicht beginnt genau dort ein Leben, das sich wirklich nach mir anfühlt.








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