Cortisol - Das Stresshormon
- Anju || Still.Leben

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Das erste Mal, dass ich bewusst mit dem Wort Cortisol in Berührung kam, war kein Artikel, kein Buch und keine wissenschaftliche Studie. Es war ein Gespräch unter Freundinnen.
Ich saß bei einer befreundeten Heilpraktikerin, eigentlich wegen etwas ganz anderem. Nebenbei erzählte ich ihr, wie sehr mich mein Körper gerade "ärgerte". Dass ich kaum aß (damals probierte ich Intervallfasten 23:1), bewusst lebte, mich bewegte – und trotzdem nicht abnahm. Vor allem nicht am Bauch. Je mehr ich es versuchte, desto frustrierter wurde ich.
Sie hörte mir ruhig zu und sagte dann einen Satz, der alles veränderte:
„Vielleicht hat das gar nichts mit dem Essen zu tun. Vielleicht ist es dein Stress.“
Ich weiß noch, wie irritiert ich war. Stress? Ich war doch „funktional“. Ich ging meinen Alltag nach, erledigte meine Dinge, war stark. Und dann sagte sie dieses Wort: Cortisol.
Sie erklärte mir, dass anhaltender Stress dem Körper signalisiert, sich zu schützen. Und dass Cortisol – unser wichtigstes Stresshormon – dafür sorgt, Energie zu speichern. Vor allem am Bauch. Nicht aus Bosheit. Sondern um zu überleben.
Das war der erste Moment, in dem mir klar wurde: Vielleicht kämpfe ich nicht gegen meinen Körper – sondern mein Körper kämpft für mich.

Was Cortisol eigentlich ist – einfach erklärt
Cortisol ist ein Hormon, das in unseren Nebennieren gebildet wird. Es ist lebenswichtig.
Ohne Cortisol könnten wir morgens nicht aufstehen, nicht reagieren, nicht handeln. Es hilft uns:
wach zu werden
Energie bereitzustellen
auf Stress zu reagieren
kurzfristig leistungsfähig zu sein
Problematisch wird Cortisol nicht, wenn es kurzzeitig ansteigt – sondern wenn es dauerhaft hoch bleibt.
Und genau das passiert nicht nur bei großen Krisen, sondern mittlerweile bei ganz vielen Menschen im ganz normalen Alltag.
Wie Stress in meinem Alltag Cortisol ausgelöst hat
Lange Zeit dachte ich, Stress müsse laut sein. Zusammenbruch. Überforderung. Tränen in der Küche oder das Gefühl, nichts mehr zu schaffen. Aber mein Stress war nicht laut. Er war leise. Und genau deshalb habe ich ihn so lange übersehen.
Er zeigte sich nicht in Panik, sondern im ständigen Funktionieren. Im Durchhalten. Im Runterschlucken von Konflikten. Im Zurückstellen meiner eigenen Bedürfnisse. Im „Ich schaffe das schon“, obwohl mein Körper längst angespannt war.
Nach außen lief alles. Nach innen war ich dauerhaft unter Strom. Und während mein Kopf mir immer wieder sagte: „Es ist doch alles okay“, hat mein Körper längst etwas ganz anderes registriert. Denn Cortisol – unser Stresshormon – unterscheidet nicht zwischen echter Gefahr und emotionalem Dauerstress. Für ihn macht es keinen Unterschied, ob ich vor etwas davonlaufen muss oder ob ich tagelang meine Gefühle unterdrücke, mich anpasse und innerlich unter Druck stehe.
Cortisol reagiert auf alles, was mein System als Bedrohung wahrnimmt: auf ungelöste Konflikte, auf ständige Anspannung, auf das Gefühl, funktionieren zu müssen, auf unterdrückte Emotionen.
Und genau das habe ich irgendwann verstanden: Mein Stress war kein Ausnahmezustand – er war mein Normalzustand geworden.
Cortisol und Bauchfett – warum mein Körper gespeichert hat
Als meine Heilpraktikerin mir erklärte, warum sich Fett gerade am Bauch einlagert, hat plötzlich vieles Sinn ergeben.
Cortisol sorgt dafür, dass:
der Blutzucker steigt
Energie schnell verfügbar ist
Fettreserven angelegt werden – besonders im Bauchraum
Der Bauch ist für den Körper ein sicherer Speicherort. Aus evolutionsbiologischer Sicht bedeutet hoher Stress: „Es könnten harte Zeiten kommen. Wir müssen vorsorgen.“
Mein Körper war also nicht „störrisch“. Er war vorsichtig. Und je mehr ich mich selbst unter Druck setzte – mit Diäten, Kontrolle, Selbstkritik – desto mehr Stress erzeugte ich. Ein selbstzerstörerischer Kreislauf hatte schon vor langer Zeit unmerklich begonnen...
Was Cortisol, das Stresshormon, noch mit mir gemacht hat
Rückblickend erkenne ich viele Symptome, die ich früher nie mit Stress verbunden hätte:
inneres Getriebensein
schlechter Schlaf
schnelle Erschöpfung
Reizbarkeit
Konzentrationsprobleme
das Gefühl, nie richtig runterzufahren
Mein Nervensystem stand dauerhaft unter Spannung. Und Cortisol war immer dabei.
Nicht als Feind. Sondern als Zeichen - das ich einfach nicht erkannt habe.
Der Wendepunkt: meinem Körper zuhören statt ihn bekämpfen
Heute sehe ich meinen Körper nicht mehr als Problem, das gelöst werden muss. Ich sehe ihn als Zeugen meines Lebens. Als Archiv all dessen, was ich getragen habe, oft ohne es auszusprechen.
Cortisol war für mich kein Feind, den ich besiegen musste. Es war die Sprache meines Körpers, lange bevor ich selbst Worte dafür hatte. Ein Hinweis darauf, dass ich zu viel ausgehalten habe. Zu lange. Zu leise.
Der eigentliche Wendepunkt war nicht, als sich etwas äußerlich verändert hat. Sondern als ich aufgehört habe, mich selbst zu übergehen. Als ich begonnen habe, Stress nicht mehr wegzuatmen, wegzudenken oder wegzudisziplinieren – sondern ihn ernst zu nehmen.
Mein Körper wollte nie kontrolliert werden. Er wollte verstanden werden.
Und vielleicht liegt genau darin etwas sehr Grundsätzliches: Heilung beginnt nicht dort, wo wir härter werden, sondern dort, wo wir aufhören, uns selbst zu überfordern, um zu funktionieren.
Cortisol spielte übrigens auch noch bei einem ganz anderen Laster von mir eine große Rolle - aber dazu mehr in einem anderen Beitrag. Dort erzähle ich Dir auch, welche kleinen, alltagstauglichen Dinge mir heute helfen, meinen Cortisolspiegel sanft zu regulieren – ohne Druck, ohne Perfektion.








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