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Bärlauchzeit – wenn der Wald nach Frühling duftet

Hier im Tegernseer Tal merkt man den Frühling nicht zuerst am Kalender. Man riecht ihn.

Sobald die Sonne den Waldboden wärmt, liegt dieser würzige, grüne Duft in der Luft – und man weiß: Der Bärlauch ist da.


Ganze Waldstücke sind dann wie überzogen mit einem satten, frischen Grün. Unter Buchen und Ahorn breitet er sich aus, Blatt an Blatt. Es ist jedes Jahr ein vertrautes Bild – und trotzdem bleibt es besonders.



Bärlauch

Sammeln in der Stille


Wenn wir losgehen, ist es selten laut. Der Wald hat im Frühling eine eigene Ruhe. Noch bevor alles dicht belaubt ist, fällt weiches Licht durch die Äste. Man hört vielleicht einen Specht, das Knacken eines Zweigs, das Rascheln unter den Schuhen.


Das Sammeln selbst wird beinahe meditativ.


Man geht langsam.

Man beugt sich hinunter.

Man nimmt ein Blatt zwischen die Finger.

Reibt es.

Riecht.



Immer wieder derselbe Ablauf. Und doch ist jedes Blatt eine kleine Entscheidung.


Ich merke, wie ich automatisch ruhiger werde. Der Blick wird genauer. Die Bewegungen bewusster. Es gibt keinen Zeitdruck. Nur diesen Rhythmus aus Gehen, Prüfen, Pflücken.



Mit meiner Tochter im Wald


Am schönsten ist es für mich, meine kleine Tochter dabei zu beobachten.

Wie sie sich ernsthaft zwischen die Blätter kniet. Wie sie versucht, genauso sorgfältig zu prüfen wie wir. Wie sie mit ihren kleinen Fingern ein Blatt hochhält und mich fragt:

„Mama, ist das eins?“

Dann gehen wir es gemeinsam durch.


„Schau, Bärlauch hat einzelne Blätter mit einem eigenen Stiel.“
„Riech mal – dieser Knoblauchduft, den merkst du sofort.“
„Und die Blattunterseite ist matt, nicht glänzend.“

Ich erkläre ihr auch die Verwechslungsgefahren. Dass Maiglöckchen ähnlich aussehen, aber keinen Knoblauchgeruch haben. Dass die Herbstzeitlose giftig ist. Dass wir niemals einfach blind pflücken.


Sie hört aufmerksam zu. Riecht noch einmal. Nickt. Und manchmal korrigiert sie sich selbst:


„Der riecht nicht. Den lassen wir.“

Diese Momente sind mehr als Kräutersammeln.

Es ist Wissen weitergeben. Achtsamkeit lernen. Verantwortung üben.



Blätter und Knospen – zwei Seiten des Frühlings


Bärlauch

Ich liebe die jungen, zarten Blätter ganz am Anfang der Saison. Sie sind weich, saftig und haben dieses klare, frische Aroma, das nach Neubeginn schmeckt.


Später entdecke ich zwischen dem Grün die Knospen. Kleine, feste Kugeln, die bald aufblühen werden.



Die Blätter verarbeite ich zu:


🌿 frischem Pesto

🌿 Bärlauchbutter

🌿 Kräutersalz

🌿 Suppen

🌿 Aufstrichen



Die Knospen verwende ich besonders gern – fein gehackt über Salate oder eingelegt wie kleine Kapern. Sie bringen noch einmal eine andere, etwas intensivere Note mit.



Bärlauch - Mehr als nur ein Wildkraut


Natürlich kennt man die traditionellen Wirkungen: Bärlauch gilt als stoffwechselanregend, unterstützend für Herz und Kreislauf, reinigend nach dem Winter.


Aber was für mich fast noch wichtiger ist, passiert im Wald selbst.

Dieses langsame Gehen. Dieses genaue Hinsehen. Dieses gemeinsame Entdecken.

Während wir sammeln, wird alles andere leiser. Gespräche entstehen nebenbei. Meine Tochter stellt Fragen, erzählt Geschichten, zeigt mir stolz ihre „Beute“. Und ich merke, wie sehr solche Momente verbinden.


Wenn wir mit unseren Körben nach Hause gehen, riechen unsere Hände nach Bärlauch. Die Jacken nehmen den Duft mit. Und die Küche füllt sich später mit genau diesem Geruch, der für mich längst zum Frühling im Tegernseer Tal gehört.




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