Und dann wurde es ganz still
- Mim || StillundSensibel.de

- 4. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
In einer Zeit, in der das Wort mehr zählt als die Tat, jeder Narr zum Philosophen mutiert, alle sofort wissen, was das Beste für dich ist (auch, wenn sie dich gar nicht kennen), und dein freier Wille von Ratschlägen, Erwartungen, Meinungen und Pflichten dirigiert wird – in einer solchen Zeit passiert es leicht, sich selbst zu verlieren.
Entscheidungen basieren darauf, was sich allgemein bewährt hat. Nicht darauf, was du – als individueller und einzigartiger Mensch – wirklich brauchst.
Die Digitalisierung hat viele Vorteile. Sie vernetzt. Sie verbindet Menschen, die sich aufgrund von Distanz oder persönlichen Einschränkungen früher niemals hätten verbinden können.
Doch sie zerstört auch. Provoziert. Propagiert. Spaltet. Jammert kollektiv. Und was wir einst „Verbindung“ nannten, gleicht immer mehr nur Mitlaufen. Denn sobald ich aufhöre, den Papageien meines Umfelds zu mimen, reißen so manche Verbindungen ab, die nur deshalb existierten, weil andere von meinem Schweigen profitierten.
Wenn du ein großes Herz hast, Verständnis zeigst und zuhören kannst, dann passiert es allzu leicht, dass du erst in die Retterrolle rutschst und dann beim Versuch, zu retten, selbst ertrinkst.
Ich habe irgendwann nur noch für die Welt gelebt. Habe getan, was Leute mir rieten, was sie von mir erwarteten, was mein schlechtes Gewissen mir diktierte.
Und ständig hab ich mich dabei gefragt: „Was ist der Sinn des Lebens?“ Denn das Leben, das ich führte, ergab für mich keinen.
Vor etwa einem Jahr begann ich, mein Leben grundlegend auszumisten. Von Dingen, die sich angesammelt hatten, von tonnenschwerem Erinnerungsballast, den ich endlich loslassen wollte, aber vor allem auch von Menschen, die mir nicht guttaten.
Denn oft hatte ich das Gefühl, dass mir diese Menschen derart laut in die Ohren brüllten, dass ich nur noch sie hören konnte.
Also flog einer nach dem anderen aus meiner Kontaktliste und Social Media verlor mich als ihre einst treueste Benutzerin.
Ich flüchtete.
Zog mich zurück.
Hatte genug.
Wollte nicht mehr.Wollte lieber weniger …
Und ich gab meinem verzweifelten inneren Schrei „LASST MICH DOCH EINFACH ALLE MAL IN RUHE!!!“ endlich Raum.
Plötzlich wurde es still.
Was ich erwartet habe, war Einsamkeit.
Was ich gefunden habe, war mich selbst.
Denn plötzlich gab es keine Leute mehr, die mich mit – manchmal gut gemeinten, aber unpassenden – Ratschlägen und Meinungen beeinflussten.
Da waren nur noch meine innere Stimme und ich.
Und je mehr ich in Erstere wieder Vertrauen aufbaute, desto klarer sah ich das Leben.
Und auch auf meine jahrelange Frage nach dessen Sinn bekam ich endlich eine Antwort: Leben, anstatt nur zu existieren und zu funktionieren.
Sei wachsam. Sei kritisch. Sei sanft zu dir.
Und vergiss nie: Kein anderer Mensch auf diesem Planeten hat so viel Zeit mit dir verbracht, wie du selbst.
Jede einzelne Sekunde deines Lebens warst du an deiner Seite und wirst es immer sein.
Und falls du das Gefühl hast, nur zu suchen, aber nie zu finden, dann halt einen Moment inne und denk kurz darüber nach:
Hast du schon in dir gesucht?

"Und dann wurde es ganz still" - Wer hat’s geschrieben?
Mim Gaisser mischt bereits seit über 10 Jahren in der Blogosphäre mit und erreichte vor allem mit ihrem Blog still & sensibel eine größere Leserschaft. Sie liebt es, ungewöhnliche Fragen zu stellen, die Welt zu entdecken und das Denken zu hinterfragen (auch ihr eigenes). Beruflich unterstützt Mim selbstständige Frauen und Solopreneurinnen dabei, eine Brücke zwischen ihrer eigenen Persönlichkeit und der für sie passenden Marketingmethode zu schlagen. Jenseits der Arbeit spielt sie undercover die Singer-Songwriter-Legende, die sie nie geworden ist, trinkt Tee oder lässt mit Postcrossing die Umsätze der Deutschen Post in die Höhe schnellen.
Ihr Motto: „Das ham wir immer so gemacht“, sagte der Steinzeitmensch und biss in sein rohes Reh.








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