Vom ehrgeizigen Versuch, wieder ein Hobby zu haben
- Anju || Still.Leben

- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
(oder: Wie sehr ich damit beschäftigt war, mich zu entspannen)
Irgendwann zwischen all den Veränderungen des letzten Jahres – neuen Gedanken, neuen Strukturen, neuen Versionen meiner selbst – reifte in mir eine revolutionäre Idee: Ich könnte mir ja mal wieder ein Hobby zulegen.
Früher hatte ich immer eins. Etwas, das nichts wollte. Mich nicht optimierte. Kein Ziel hatte. Ein Hobby war früher einfach da. Es glich mich aus, machte mir Freude und blendete den Alltag zuverlässig aus. Dann kam das Leben. Und der Stress. Und irgendwann fiel das Hobby stillschweigend unter „nice to have, aber gerade wirklich nicht“.
Also beschloss ich: Jetzt aber. Jetzt wird wieder entspannt. Geplant, natürlich.
Hobbysuche Phase 1: Rückkehr zu den alten Liebschaften
Ich begann mit Dingen, die ich früher geliebt hatte. Logisch. Ich zeichnete – meist gemeinsam mit meiner kleinen Tochter. Mal ernsthaft, mal chaotisch, immer mit viel Buntstift und erstaunlich wenig Perfektionsanspruch (von ihrer Seite zumindest).
Ich bastelte mir die Finger wund, um meine Kreativität irgendwo abzuladen. Ich ging zum Weidenflechten – was weniger meditativ war als gedacht, dafür körperlich überraschend ambitioniert.
Ich lernte Kalligraphie und stellte fest, dass schöne Buchstaben eine demütigende Beziehung zur Geduld haben.
Ich häkelte… sehr viel. Dinge. Manche sogar nützlich.
Ich baute ein Puppenhaus. Mit Mobiliar. In einem Detailgrad, bei dem man sich fragen darf, ob das noch Hobby oder schon Eskalation war.
Und dann, weil das Leben Humor hat: Ich probierte Sport aus. Ich. Der Sportmuffel.
Man soll ja offen bleiben.
Ach ja – fast hätte ich es vergessen.Ich habe außerdem angefangen, einen Garten anzulegen. Ganz bodenständig. Mit Erde unter den Fingernägeln, viel Optimismus und der leisen Erkenntnis, dass Pflanzen sich weder beeindrucken noch beschleunigen lassen. Sehr lehrreich.
Und weil das Jahr offenbar beschlossen hatte, mich vollständig durch alle Elemente zu schicken, war ich auch noch Mineralien schürfen. Mit Hammer, Staub und der kindlichen Hoffnung, etwas Besonderes zu finden. Spoiler: Ich fand vor allem Geduld. Und ein paar sehr schöne Amethyste und Achate.
Hobbysuche Phase 2: Alles macht Spaß – aber nichts bleibt
Und wisst ihr was? Es hat mir alles Spaß gemacht. Wirklich.
Aber nichts davon fühlte sich nach dem Hobby an. Kein „Hier will ich bleiben“. Kein „Das bin ich“. Eher ein freundliches: „War schön mit dir, bis zum nächsten Mal.“
Und irgendwann wurde mir klar: Ich war erstaunlich gut darin geworden, Hobbys zu testen. Aber nicht darin, ihnen Raum zu lassen.
Die Erkenntnis (natürlich kam diese erst später)
Ich habe gemerkt, dass ich mein Hobby genauso behandelte wie viele andere Dinge in meinem Leben früher: mit Erwartung. Mit der Hoffnung, dass es bitte etwas Bestimmtes für mich erfüllen möge.
Ausgleich. Freude. Sinn. Flow. Am besten alles gleichzeitig.
Dabei war das vielleicht nie die Aufgabe eines Hobbys. Vielleicht geht es nicht darum, das eine zu finden. Sondern darum, wieder zu spielen. Zu probieren. Zweckfrei. Ohne sofort zu wissen, ob etwas bleibt.
Und jetzt?
Aktuell besuche ich mit meiner großen Tochter einen Töpferkurs. Ob das mein neues Hobby wird? Keine Ahnung. Vielleicht ja. Vielleicht auch nicht.
Aber ich habe gelernt: Der Weg zurück zur Leichtigkeit führt nicht über Festlegung. Sondern über Erlaubnis.
Erlaubnis, Dinge auszuprobieren. Erlaubnis, sie wieder loszulassen. Erlaubnis, kein dauerhaftes Hobby zu haben – und trotzdem erfüllt zu sein.
Vielleicht ist genau das mein Hobby geworden: Neugierig bleiben, ohne mich festzulegen.
Und ehrlich gesagt? Das fühlt sich gerade ziemlich gut an.








































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