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Narzissmus im Alltag

Wenn das Spiegelbild bröckelt


Narzissmus ist mittlerweile ein allgegenwärtiges Thema und wird heutzutage häufig mit romantischen Beziehungen in Verbindung gebracht — mit toxischen Partner/innen, Liebesdramen und destruktiven Dynamiken. Doch ich habe ihn zum Beispiel lange Zeit in meinem Arbeitsumfeld erlebt (und auch in Freundschaften) und hatte oft den Eindruck, dass die Menschen ihn an diesen Orten nur selten wahr- bzw. ernst nehmen. Aber genau dort kann sein Einfluss leise, langsam und deshalb umso gefährlicher wirken.



Narzissmus im Alltag


Warum Narzissmus auch im Alltag relevant ist


Es sind nicht nur die großen Beziehungen, in denen Narzissmus verletzt. Auch Freundschaften oder Arbeitsbeziehungen zu Kollegen oder Vorgesetzten können narzisstische Züge zeigen — Anspruchshaltung, ständige Selbstinszenierung, das Bedürfnis, immer im Mittelpunkt zu stehen, Kritik nicht zu ertragen.


Werden diese Verhaltensmuster Teil unseres Alltags, melden sich oft zuerst Zweifel: „Habe ich etwas falsch gemacht?“, „Bin ich zu empfindlich?“ — und manchmal auch: „War das eigentlich fair?“ In solchen Dynamiken fühlte es sich für mich immer an, als würde meine innere Sicherheit ausgehöhlt. Es beginnt mit kleinen Kränkungen, Übergehungen, unterschwelliger Manipulation — und endet oft in Verwirrung, Erschöpfung und Selbstzweifeln.



Was in mir passiert — Stress, Alarm, Rückzug


Wenn ich narzisstischen Menschen begegne – egal, ob mir ihr Verhalten sofort auffällt oder erst später – reagiert mein Körper oft schneller als mein Kopf. Mein Herz schlägt schneller, ich werde unruhig, und manchmal merke ich, wie meine Gedanken plötzlich durcheinandergehen.


Das passiert, weil solche Begegnungen Stress auslösen können. Der Körper schüttet dann Cortisol, also das typische Stresshormon, aus. Studien zeigen, dass Menschen mit narzisstischen Verhaltensmustern oft selbst sehr stark auf sozialen Stress reagieren – und dieses angespannte Klima überträgt sich schnell auf andere.


Für mich fühlt sich das dann an wie ein innerer Alarm: eine Mischung aus Anspannung, leichter Verwirrung und dem Gefühl, „nicht klar denken“ zu können. Als würde mein Nervensystem plötzlich auf Hochbetrieb schalten, obwohl vorher alles ruhig war.

In solchen Momenten denke ich oft: „Reiß dich zusammen, bleib stark.“ Aber eigentlich ist das gar keine Stärke. Es ist mein Körper, der versucht, mich zu schützen – nur fühlt sich dieser Schutz manchmal nervös und überfordernd an.


Und wenn man solche Situationen zu oft erlebt, wird klar: Dauerstress ist kein kleines Problem. Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel kann auf Dauer sowohl die Psyche als auch den Körper belasten. Genau deshalb ist es so wichtig, diese Reaktionen ernst zu nehmen und gut für sich zu sorgen.



Narzissmus bei Freundschaft und Arbeit — unterschätzte Wunden


In engen Beziehungen (Partnerschaft) wird narzisstisches Verhalten häufig thematisiert — toxische Beziehungen, Gaslighting, Kontrolle. Aber im Freundes- oder Arbeitsumfeld wird selten gesprochen, wenn dieselben Muster auftauchen. Vielleicht, weil wir glauben, dass „Freunde“ und „Kollegen“ anders sind. Vielleicht, weil wir uns einreden, das sei „harmlos“ oder „ein bisschen Eitelkeit“. Doch für mich ist das genauso belastend.


Stille Konkurrenz, subtile Abwertungen, ständige Selbstinszenierung — das alles nagt an Selbstwert, verunsichert, zieht Energie. Ich spüre, wie der Boden unter mir wackelt, wenn ich begreife, dass das „normale Alltagsszenario“ gar nicht normal ist. Und trotzdem: Man schweigt, man kompensiert, man versucht, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.



Warum ich glaube, dass Narzissmus oft unterschätzt wird


Weil er nicht laut ist. Weil er sich gut tarnt. Weil wir uns selbst hinterfragen, bevor wir ihn beim anderen erkennen. Und weil wir oft Hoffnung haben — auf Freundschaft, auf Harmonie, auf Wandel.


Aber Narzissmus braucht keine Bühne. Er wirkt im Alltag. Im Lachen, das zu lange klingt, in der Story auf Social Media, die jedes Lob erntet, in dem Kollegen oder Vorgesetzten, der stets im Zentrum steht — und uns übergeht.


Wenn ich darüber nachdenke, fühle ich Wut — nicht laut, eher still und tief. Wut auf die Unsichtbarkeit der Wunden. Auf das klein Gedacht werden. Auf das „Du bist doch empfindlich“, "Das soll jetzt keine Schuldvergabe sein", "Du weißt ja wie ich das meine" oder „Das war doch nur Spaß“.



Warum das wichtig ist — und was wir daraus mitnehmen können


Narzissmus ist kein Drama, das nur in Beziehungen passiert. Er steckt im Alltag. In Nähe, in Freundschaft, im Beruf. Und er hinterlässt Spuren — nicht immer sichtbar, aber spürbar. Wer empfindlich ist, wer sensibel fühlt, der spürt schnell: Unter diesem Lächeln kann Erschöpfung sitzen. Unter diesem Lob — Angst. Unter diesem Kompliment — Kontrolle.

Ich glaube, wer das ernst nimmt, bewahrt sich — Selbstachtung, Klarheit, Frieden. Wer hinschaut, erkennt die Muster. Und kann sich entscheiden: Für sich selbst. Für Gesundheit. Für Freiheit.


Und vielleicht ist genau das das Gefährliche daran: Narzissmus zeigt sich im Alltag oft so subtil, dass wir erst spät erkennen, was er mit uns macht.

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