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Zwischentöne: Sechs Fragen an Lilian Sophie


Zwischentöne: Sechs Fragen an Lilian Sophie

Wer ist Lilian Sophie?


Mit Anfang zwanzig steht Lilian Sophie noch am Anfang ihres Lebens – und gleichzeitig mitten in den ersten großen Entscheidungen, die den eigenen Weg prägen.


Lilian arbeitet als Privatkundenberaterin bei einer Bank und bewegt sich damit in einem extrem strukturierten und klaren beruflichen Umfeld, welches sich oft im Außen und über materielle Dinge definiert.


Gleichzeitig trägt sie ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge in sich – geprägt von ihrer Generation, ihren Erfahrungen und dem, was sie gerade bewegt.


Für mich war dieses Interview auf eine ganz besondere Weise berührend. Lilian ist meine ältere Tochter – und obwohl man sich so nahe ist, gibt es Gedanken, die man im Alltag vielleicht nie in dieser Form ausspricht. Ihre Antworten zu lesen, hat mir noch einmal einen anderen Blick auf sie ermöglicht: ehrlicher, tiefer, manchmal auch überraschend.


Genau darin liegt für mich der Kern von Zwischentöne – nicht nur andere Menschen besser zu verstehen, sondern manchmal auch die, die uns eigentlich ganz nah sind.



1. Was beschäftigt dich gerade am meisten?

Im Moment ist es vor allem eine Frage, die mich nicht loslässt: Welcher Weg ist eigentlich der richtige für mich?


Schon in jungen Jahren bekommen wir von der Gesellschaft einen klaren Plan mit auf den Weg. Man soll in der Schule gut sein, damit man später eine sichere Arbeit findet. Man soll eine Ausbildung machen, sich weiterbilden, einen festen Job haben, eine Familie gründen, Kinder bekommen und schließlich etwa 45 Jahre arbeiten, um irgendwann in den Ruhestand gehen zu können, dafür dass die Rente dann doch nicht reicht. Wenn wir ehrlich sind, wird uns oft schon sehr früh vorgegeben, wie ein „gutes Leben“ auszusehen hat. Fast so, als würde unser Lebenslauf schon feststehen, bevor wir überhaupt wissen, wer wir selbst sind.


Doch je älter ich werde, desto öfter frage ich mich: Ist das wirklich der richtige Weg? Oder nur der Weg, den die meisten gehen, weil er sicher wirkt?


Viele sagen: Du bist doch noch jung, du hast noch Zeit, dich zu entscheiden. Und ja, das stimmt wahrscheinlich. Aber gleichzeitig weiß ich, dass genau die Entscheidungen, die ich jetzt treffe, mein Leben in eine bestimmte Richtung lenken werden. Jeder Schritt öffnet eine Tür – und schließt vielleicht eine andere. Genau das macht es so schwer.


Bleibe ich auf dem Weg, den alle für richtig halten, weil er Sicherheit verspricht?

Oder riskiere ich es, meinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn ich nicht weiß, wohin er führt?


Dabei spielt nicht nur die Angst eine Rolle, den falschen Weg zu wählen. Es ist auch die Angst, am Ende nichts zu erreichen. Die Angst, irgendwann zurückzuschauen und das Gefühl zu haben, nicht genug aus seinem Leben gemacht zu haben. Dass man zu vorsichtig war, zu lange gezögert hat oder sich zu sehr nach dem gerichtet hat, was andere für richtig halten.


Oft ist es nicht nur die Entscheidung selbst, die schwerfällt, sondern der Gedanke an alles, was passieren könnte, wenn man sich falsch entscheidet. Die Angst, später zu bereuen, nicht mutiger gewesen zu sein. Gleichzeitig steht da diese Stimme im Kopf, die sagt, dass man aus der Reihe tanzt, wenn man nicht das tut, was alle erwarten.


Vielleicht gibt es aber gar nicht den einen richtigen Weg. Vielleicht besteht das Leben genau daraus, Entscheidungen zu treffen, Fehler zu machen, neue Richtungen einzuschlagen und dabei herauszufinden, wer man wirklich sein möchte.


Und genau das ist es, was mich gerade am meisten beschäftigt.



2. Was hat dich in den letzten Jahren besonders geprägt?

In den letzten Jahren hat mich vor allem die Realität geprägt. Sie kam nicht langsam, sondern eher wie ein Schlag ins Gesicht. Plötzlich ging es nicht mehr darum, mit wem ich heute rausgehe, wo am Wochenende gefeiert wird oder was Mama zu essen gekocht hat. Auf einmal ging es um Verantwortung, Entscheidungen und darum, sein eigenes Leben wirklich selbst in die Hand zu nehmen.


Ich bin mit 17 Jahren ausgezogen, weil ich auf eigenen Beinen stehen wollte. In meinem Kopf klang das nach Freiheit, nach Selbstständigkeit und danach, endlich erwachsen zu sein. Ich dachte, es wäre gar nicht so schwer, sein eigenes Leben zu führen. Doch sehr schnell habe ich gemerkt, dass hinter diesem Wunsch viel mehr steckt, als ich damals sehen konnte.


Die Realität bestand plötzlich aus Dingen, über die ich mir vorher nie Gedanken machen musste: der Übergang von Schule ins Arbeitsleben, finanzielle Verantwortung, Verträge, Versicherungen, Arzttermine – und niemand mehr, der das alles für mich regelt. Auf einmal war ich selbst dafür zuständig, dass Essen auf dem Tisch steht, die Wäsche gemacht ist und Rechnungen bezahlt werden.


Ich musste lernen, Verantwortung zu übernehmen – für mich, für meine Entscheidungen und für meinen Weg. Und das war nicht immer leicht. Es gab Momente, in denen ich mich überfordert gefühlt habe, Momente voller Zweifel. Gleichzeitig waren genau diese Erfahrungen die, die mich am meisten geprägt haben. Ich habe gelernt, selbstständiger zu werden, stärker zu sein und mich selbst besser kennenzulernen. Erwachsenwerden passiert nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt – oft genau dann, wenn man eigentlich noch gar nicht bereit dafür ist.


Rückblickend kann ich sagen, dass mich genau diese Jahre zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Ich habe gelernt, was ich im Leben will, was ich nicht will und welche Menschen ich an meiner Seite haben möchte. Die Realität war nicht immer leicht, aber sie hat mich wachsen lassen.


Und gleichzeitig weiß ich, dass ich noch lange nicht am Ende meiner Entwicklung bin. Ich stehe noch am Anfang. Es gibt noch so viel zu lernen, zu erleben und zu verstehen – und genau das gibt mir auch ein Stück Ruhe. Ich muss noch nicht alles wissen. Ich darf weiter wachsen.



3. Was sollte man dich unbedingt einmal fragen – tut es aber nie?

Was hilft dir wirklich, wenn deine Gedanken nicht still werden?



4. Was gibt dir Energie?

Energie geben mir Menschen, bei denen ich einfach ich selbst sein kann. Mein Partner und meine Familie haben mir die letzten Jahren gezeigt, dass ich stärker bin, als ich oft denke, und dass ich Dinge schaffen kann, die ich mir früher nicht zugetraut hätte. Dazu kommen die ruhigen Momente, wenn ich ganz allein bin, durchatme und wieder klar werde, sowie das Bewusstsein für das, was ich bereits erreicht habe.



5. Was sollten mehr Menschen ausprobieren?

Mehr Menschen sollten sich selbst mehr Raum für Ruhe und Selbstreflexion geben, statt ständig nur zu funktionieren oder weiterzumachen. Oft entstehen die wichtigsten Gedanken erst dann, wenn es leiser wird. Und auch ich sollte mir dafür mehr Zeit nehmen.



6. Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen?

Ich würde meinem jüngeren Ich sagen, dass es stärker ist, als es denkt, und dass Fehler dazugehören. Alles, was kommt, wird es wachsen lassen, auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt.



Herzlichen Dank, liebe Lilly für das Teilen deiner Zwischentöne.

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