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Das Pareto Prinzip: Weniger Kraft, mehr Wirkung

28. Aug.
6 Min. Lesezeit

Es gibt Begriffe, die klingen erst einmal so, als hätte man sie freiwillig nur dann im Leben, wenn man entweder Betriebswirtschaft studiert hat oder sehr gern Tabellen beschriftet.

Das Pareto-Prinzip gehört für mich genau dazu.


Lange Zeit hätte ich bei diesem Wort vermutlich innerlich abgeschaltet. Nicht, weil es uninteressant ist, sondern weil es so technisch klingt. So nach Effizienz. Nach Optimierung. Nach Menschen, die ihr Leben in Diagrammen sortieren und wahrscheinlich sogar ihre Pausen strategisch planen.


Also ziemlich weit weg von dem, wonach ich mich im Alltag eigentlich sehne.


Und doch ist mir dieses Prinzip irgendwann wieder begegnet. Nicht in einem Seminarraum. Nicht in einem Businessbuch. Sondern mitten in meinem eigenen Leben, zwischen Haushalt, Gedanken, Erwartungen, Familie, Blog, Alltag und diesem ständigen Gefühl, an zu vielen Stellen gleichzeitig ein bisschen zu viel zu sein.



Das Pareto Prinzip: Weniger Kraft, mehr Wirkung

Das Pareto Prinzip: Weniger Kraft, mehr Wirkung



Das Pareto-Prinzip besagt vereinfacht:

Ein kleiner Teil unseres Einsatzes sorgt oft für einen großen Teil der Wirkung.

Man nennt es auch die 80/20-Regel.


Das bedeutet nicht, dass das Leben sich immer exakt in 80 und 20 Prozent aufteilen lässt. So ordentlich ist das Leben nun wirklich nicht. Es wirft seine Wäsche ja auch nicht selbst in den Korb, nur weil irgendwo ein Prinzip existiert.


Aber der Gedanke dahinter hat mich getroffen: Nicht alles, was ich tue, bewirkt gleich viel.



Wenn ich viel mache und trotzdem das Gefühl habe, nicht anzukommen


Ich kenne diese Tage, an denen ich morgens aufstehe und schon im Kopf anfange, Listen zu schreiben.


Was noch erledigt werden muss.

Was liegen geblieben ist.

Was ich längst machen wollte.

Was ich nicht vergessen darf.

Wem ich noch antworten sollte.

Welcher Beitrag noch überarbeitet werden könnte.

Welche Idee ich sichern möchte, bevor sie wieder verschwindet.


Und während ich versuche, all diesen Dingen gerecht zu werden, verliere ich manchmal genau das, worum es mir eigentlich geht: Ruhe. Klarheit. Verbindung zu mir selbst.


Ich kann einen ganzen Tag beschäftigt sein und abends trotzdem das Gefühl haben, nichts Wesentliches berührt zu haben.


Das ist ein merkwürdiges Gefühl.


Man war nicht faul.

Man hat funktioniert.

Man hat Dinge erledigt.

Man hat sich gekümmert.


Und trotzdem bleibt da diese innere Frage: War das wirklich wichtig oder war es nur laut?


Genau hier fängt das Pareto-Prinzip für mich an, interessant zu werden. Nicht als Methode, mit der ich noch mehr aus mir herausholen kann. Davon gibt es wirklich schon genug - sondern als Einladung, genauer hinzusehen.



Welche Dinge tragen mich wirklich?


Wenn ich ehrlich bin, sind es oft gar nicht die großen erledigten Aufgaben, die meinen Tag verändern. Es sind viel kleinere Dinge.


Ein ruhiger Moment am Morgen, bevor alle anderen etwas von mir wollen.

Ein Spaziergang, bei dem ich merke, wie mein Kopf langsam wieder leiser wird.

Ein Gespräch, das ehrlich ist und nicht nur aus Floskeln besteht.

Ein Text, den ich schreibe, weil er wirklich aus mir kommt.

Ein Essen, das nicht perfekt ist, aber mit Liebe gemacht wurde.

Ein Nachmittag mit meiner Familie, bei dem nicht alles geplant ist.

Ein Moment mit meiner Tochter, in dem wir basteln, Kerzen machen oder einfach beieinander sind.


Das sind keine spektakulären Dinge. Sie sehen von außen nicht besonders produktiv aus.

Aber sie wirken.


Sie machen etwas mit mir.

Sie holen mich zurück.

Sie geben meinem Tag nicht unbedingt mehr Inhalt, aber mehr Bedeutung.


Vielleicht sind genau das meine persönlichen 20 Prozent.

Nicht, weil sie wenig sind, sondern weil sie viel bewirken.



Warum ich so oft den falschen Dingen zu viel Raum gebe


Das Unangenehme am Pareto-Prinzip ist: Es zeigt auch, wie viel Energie ich manchmal in Dinge stecke, die kaum etwas verändern.


Zum Beispiel in Gedankenschleifen.


In dieses innere Nachbereiten von Situationen, die längst vorbei sind.


  • Was hätte ich sagen sollen?

  • Was hätte ich anders machen können?

  • Warum hat mich das so getroffen?

  • Warum denke ich überhaupt noch darüber nach?

  • Mein Kopf kann aus einem einzigen Satz eines anderen Menschen eine ganze mehrteilige Dramaserie machen. Ohne Budget, aber mit erstaunlich viel innerem Lärm.


Oder ich verliere mich in Details.


An einem Beitrag feile ich manchmal so lange herum, bis ich selbst kaum noch spüre, warum ich ihn überhaupt schreiben wollte. Dann tausche ich Wörter aus, verschiebe Absätze, ändere Überschriften und frage mich irgendwann, ob das noch Hingabe ist oder nur der verzweifelte Versuch, unangreifbar zu werden.


Vielleicht kennen das viele Menschen, die schreiben, gestalten oder etwas Eigenes in die Welt stellen. Man möchte, dass es gut wird. Aber manchmal kippt „gut“ in „nie gut genug“.

Und dann nimmt etwas viel Raum ein, das eigentlich nur ein Teil des Ganzen sein sollte.


Auch im Alltag passiert mir das.


Ich kann mich an Kleinigkeiten festbeißen, während das Wesentliche längst wartet. Ich kann versuchen, alles ordentlich, stimmig und bedacht zu machen, während mein Inneres eigentlich nur sagt: Bitte einmal Pause. Bitte einmal nicht funktionieren. Bitte einmal nicht alles gleichzeitig tragen.


Das Pareto-Prinzip fragt mich dann nicht: Wie kannst du noch mehr schaffen?

Es fragt eher: Welche Dinge bekommen gerade viel zu viel von dir, obwohl sie dir kaum etwas zurückgeben?


Und diese Frage ist unangenehm ehrlich.



Nicht alles muss dieselbe Aufmerksamkeit bekommen


Vielleicht ist das für mich der wichtigste Gedanke daran:

Ich muss nicht alles gleich wichtig nehmen.


Nicht jede Aufgabe.

Nicht jede Meinung.

Nicht jede Nachricht.

Nicht jeden Anspruch.

Nicht jeden Gedanken.

Nicht jeden inneren Druck.


Nur weil etwas laut ist, ist es nicht automatisch wesentlich.


Das klingt einfach. Ist es aber nicht.


Denn viele von uns haben gelernt, auf alles zu reagieren.


Auf Erwartungen.

Auf Stimmungen. Auf Pflichten.

Auf das, was andere brauchen.

Auf das, was „man“ eben macht.


Und irgendwann fühlt sich alles dringend an.


Der Wäschekorb.

Die ungelesene Nachricht.

Der Blogbeitrag.

Die Meinung anderer.

Der eigene Anspruch.

Das schlechte Gewissen.

Die To-do-Liste, die offenbar Nachwuchs bekommt, sobald man einmal nicht hinsieht.


Aber wenn alles wichtig ist, ist am Ende nichts mehr wirklich wichtig. Dann wird der Tag voll, aber nicht unbedingt sinnvoll. Und ich merke immer mehr: Ich möchte nicht einfach nur durch volle Tage kommen. Ich möchte spüren, wofür ich meine Zeit und meine Kraft gebe.



Pareto als Frage an mein eigenes Leben


Für mich ist das Pareto-Prinzip deshalb weniger eine Regel als eine Frage.


Oder eigentlich mehrere Fragen:


Was trägt mich wirklich?

Was bewirkt etwas in meinem Leben?

Was schenkt mir Ruhe, Verbindung oder Klarheit?

Was kostet mich viel Kraft, ohne mich zu nähren?

Was mache ich nur, weil ich glaube, es machen zu müssen?

Was dürfte weniger Raum bekommen?


Diese Fragen bringen mich näher an das, worum es auf Still.Leben immer wieder geht: an das Wesentliche.


Nicht an ein perfektes Leben.

Nicht an einen durchoptimierten Alltag.

Nicht an eine Version von mir, die immer achtsam, ruhig und innerlich sortiert ist.


Diese Frau existiert vermutlich irgendwo zwischen Pinterest und Selbstbetrug.

Sondern an eine ehrlichere Version.


Eine, die merkt: Ich habe nur begrenzt Energie. Und es ist nicht egal, wohin sie fließt.



Die kleinen Dinge mit großer Wirkung


Wenn ich auf mein Leben schaue, dann sind meine wirksamsten 20 Prozent wahrscheinlich nicht besonders beeindruckend.


Es ist nicht das große Aufräumen.

Nicht die perfekte Planung.

Nicht der makellose Beitrag.

Nicht die vollständig erledigte Liste.


Es sind eher diese Dinge:


Morgens nicht sofort ins Handy schauen.

Einen Gedanken aufschreiben, bevor er im Alltag untergeht.

Einen Tee trinken, ohne nebenbei drei Dinge zu erledigen.

Mich fragen, ob etwas wirklich wichtig ist oder nur dringend wirkt.

Einen Spaziergang machen, bevor mein Kopf zu voll wird.

Einen Text veröffentlichen, auch wenn er nicht perfekt ist.

Ein Nein aussprechen, bevor aus Überforderung Bitterkeit wird.

Zeit mit Menschen verbringen, bei denen ich nicht dauernd übersetzen muss, wer ich bin.


Das sind kleine Entscheidungen, aber sie verändern die Richtung.



Was ich künftig weniger wichtig nehmen möchte


Ich möchte weniger Energie in Dinge geben, die nur an meiner Oberfläche kratzen.


Weniger in das Grübeln darüber, wie etwas angekommen sein könnte.

Weniger in den Versuch, alles so zu formulieren, dass es niemand falsch verstehen kann.

Weniger in Erwartungen, die gar nicht meine eigenen sind.

Weniger in dieses Gefühl, immer noch etwas verbessern, erklären oder rechtfertigen zu müssen.


Und mehr Energie in das, was wirklich bleibt.


In Texte, die ehrlich sind.

In Begegnungen, die mich nicht kleiner machen.

In meine Familie.

In Natur.

In einfache Dinge.

In das, was mich stiller macht, nicht lauter.



Vielleicht klingt das unspektakulär, aber vielleicht ist genau das der Punkt.

Nicht alles, was wertvoll ist, muss groß aussehen.



Das Pareto Prinzip: Weniger Kraft, mehr Wirkung - Mein Fazit


Ich glaube nicht, dass ich mein Leben künftig nach einer 80/20-Regel führen werde. Dafür ist das Leben zu weich, zu widersprüchlich und manchmal auch einfach zu chaotisch.


Aber ich möchte mich öfter daran erinnern, dass nicht alles denselben Raum braucht.


Dass manches laut ist, aber unwichtig.

Dass manches klein ist, aber tragend.

Dass manches viel Kraft kostet, aber kaum Wirkung hat.

Und dass manches leise beginnt und trotzdem mein ganzes Inneres sortieren kann.


Vielleicht bedeutet bewusster leben genau das: Nicht mehr alles gleich schwer zu nehmen, sondern zu erkennen, was wirklich Gewicht hat.


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