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Gaslighting

Wenn die eigene Wahrnehmung ins Wanken gerät


Es gibt Erfahrungen, von denen ich lange nicht wusste, wie ich sie überhaupt benennen soll. Situationen, in denen ich gespürt habe, dass etwas nicht stimmt, aber mir gleichzeitig eingeredet wurde, dass ich falsch liege. Momente, in denen mein Bauchgefühl ganz deutlich „Stop“ gesagt hat, während mein Kopf sich gefragt hat, ob ich vielleicht übertreibe, empfindlich bin oder mir etwas einbilde.


Erst viel später habe ich verstanden: Das war Gaslighting.


Ein Begriff, der heute häufig verwendet wird – manchmal zu schnell –, aber in seiner echten Bedeutung etwas sehr Konkretes beschreibt: Gaslighting ist eine Form psychologischer Manipulation, bei der eine Person versucht, meine Wahrnehmung, mein Erinnerungsvermögen oder meine Gefühle so zu verdrehen, dass ich beginne, mir selbst zu misstrauen.


Und dieses Misstrauen gegenüber mir selbst war das Schmerzhafteste daran.



Gaslighting


Wie Gaslighting für mich beginnt


Gaslighting kommt selten laut oder offensichtlich daher. Es beginnt leise. Unspektakulär. Oft zwischen den Zeilen – dort, wo ich es früher kaum bemerkt habe.


Es fängt an mit Sätzen wie:


  • „Das hast du falsch verstanden.“

  • „So habe ich das nie gesagt.“

  • „Du übertreibst.“

  • „Du bist eben sensibel.“

  • „Jetzt sei nicht so dramatisch.“


Manchmal wirkt es sogar fürsorglich, eingepackt in ein Lächeln oder in den Versuch, mir vermeintlich „gut zureden“ zu wollen. Und genau das macht es so tückisch: Es klingt vernünftig – während ich innerlich immer verwirrter werde.


Mit der Zeit verändert sich etwas in mir. Unmerklich, aber spürbar.

Ich beginne, meiner eigenen Wahrnehmung weniger zu vertrauen. Ich hinterfrage Dinge, von denen ich früher absolut überzeugt war. Ich entschuldige mich für Gefühle, die eigentlich völlig berechtigt sind. Ich werde stiller, obwohl ich vorher klar gesprochen habe.



Was Gaslighting mit meiner Psyche macht


Gaslighting ist kein einzelner Satz – es ist ein Prozess. Ein schleichender, psychologischer Mechanismus, der:


  • meine Intuition schwächt,

  • meine Selbstsicherheit erschüttert,

  • mein Vertrauen in mich selbst angreift.


Und während mein Kopf noch versucht, alles logisch einzuordnen, reagiert mein Körper längst. Mein Herz schlägt schneller. Mein Atem wird flacher. Meine Gedanken beginnen zu kreisen. Ich habe das Gefühl, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können.


Diese Reaktionen sind nicht „überempfindlich“. Sie sind biologisch. Gaslighting erzeugt sozialen Stress – tief, direkt, unterschwellig. Der Körper schüttet Cortisol aus, unser typisches Stresshormon. Kurzzeitig ist das normal. Aber wenn ich immer wieder in Situationen gerate, in denen meine Realität infrage gestellt wird, schaltet mein Nervensystem irgendwann dauerhaft auf Alarm.


Ich habe mich oft gefragt:


  • Warum fühle ich mich so angespannt?

  • Warum komme ich so schwer zur Ruhe?

  • Warum zweifle ich an Dingen, die eigentlich eindeutig waren?


Heute weiß ich: Mein Körper hat versucht, mich zu schützen – lange bevor ich verstand, was eigentlich geschieht.



Die subtilen Formen von Gaslighting im Alltag


Viele denken, Gaslighting findet nur in toxischen Partnerschaften statt. Aber ich habe es auch erlebt:


  • im Arbeitsumfeld,

  • in Freundschaften,

  • in familiären Strukturen.


Es zeigt sich oft viel leiser als erwartet:


👉 Emotionale Umkehr: „Du bist das Problem, nicht ich.“

👉 Verdrehen von Aussagen: „Das habe ich nie gesagt“, obwohl ich es genau weiß.

👉 Abwertung meiner Gefühle: „Du reagierst wieder über.“

👉 Herunterspielen von Verletzungen: „War doch nur Spaß.“

👉 Widersprüche, die mich verunsichern: Heute so, morgen völlig anders.


Jede dieser Situationen nimmt mir ein kleines Stück Boden – bis ich irgendwann das Gefühl habe, auf unsicheren Füßen zu stehen.



Der gefährlichste Punkt: Wenn ich mir selbst misstraue


Gaslighting funktioniert dann am stärksten, wenn es gelingt, dass ich mich gegen mich selbst richte. Und genau das ist passiert.


Ich habe meine Erinnerungen infrage gestellt. Meine Gefühle klein geredet. Widersprüche ignoriert. Grenzen verschoben, die ich früher klar gezogen hätte. Die Manipulation selbst war schmerzhaft – aber der Moment, in dem ich sie zu entschuldigen begann, war der wirklich gefährliche. „Vielleicht meint er/sie es nicht so.“ „Vielleicht übertreibe ich.“ „Vielleicht liegt es ja an mir.“


Gaslighting lebt davon, dass ich mich selbst verliere.



Wie ich Gaslighting heute erkenne


Mit der Zeit habe ich gelernt, genauer hinzuhören – nicht nur nach außen, sondern nach innen. Heute werde ich wachsam, wenn…


  • ich mich dauernd erklären muss,

  • ich nach Gesprächen verwirrt oder „falsch“ fühle,

  • jemand meine Gefühle infrage stellt,

  • meine Grenzen belächelt werden,

  • ich mich selbst kaum wiedererkenne.


Gaslighting hat mich gelehrt, wie wertvoll meine Intuition ist. Dass meine Wahrnehmung gültig ist. Dass Gefühle nicht verhandelbar sind. Und dass ein Nein ein Nein bleibt – unabhängig davon, wie oft jemand versucht, es umzudeuten.



Was mir geholfen hat, mich zu schützen


Ich habe gelernt…


✨ meine Gefühle ernst zu nehmen,

✨ nicht jede Rechtfertigung zu liefern,

✨ Grenzen klarer zu ziehen,

✨ Gespräche zu beenden, die mich verletzen,

✨ meinen Körper als Warnsignal wahrzunehmen,

✨ Unterstützung zu suchen, wenn ich mich verliere.


Gaslighting zu erkennen ist der erste Schritt. Mich davon zu lösen der zweite. Und der wichtigste ist: wieder bei mir selbst anzukommen.



Warum ich darüber schreibe


Weil Gaslighting unsichtbar ist. Weil es Menschen trifft, die fühlen, die zuhören, die empathisch sind – Menschen wie mich. Vielleicht auch dich.


Und weil ich glaube, dass wir stärker werden, wenn wir Worte finden für das, was uns innerlich verwirrt hat. Wenn wir verstehen, was passiert. Wenn wir Grenzen ziehen, wo vorher keine waren. Ich schreibe darüber, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Spiegelbild bröckelt –und wie heilsam es ist, es Stück für Stück wieder zusammensetzen zu dürfen.

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Worte aus der Stille - Zwischen den Zeilen

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