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Stille Urlaubsziele

...oder die alljährliche Frage nach dem „Wohin“


Es ist jedes Jahr dasselbe.


Kaum hat das neue Jahr begonnen, schleicht sich diese eine Frage ganz leise, aber hartnäckig in unseren Alltag: Wohin fahren wir dieses Jahr in den Urlaub?


Was für viele nach Vorfreude, Fernweh und großen Plänen klingt, ist bei uns oft zuerst … eine kleine Grundsatzdiskussion.


Denn während andere gezielt nach den schönsten Stränden, den beliebtesten Städten oder den neuesten Geheimtipps suchen, starten wir immer an einem ganz anderen Punkt: Wie finden wir vor allem eines – Ruhe?



Stille Urlaubsziele - Zwischen Sehnsucht und Realität


Das mag im ersten Moment widersprüchlich klingen.


Wir leben selbst in einer Region, die für viele ein absolutes Urlaubsziel ist – direkt am See, umgeben von Bergen, Postkartenidylle inklusive. An schönen Tagen merken wir schnell, was das bedeutet: volle Parkplätze, gut besuchte Promenaden und dieses ganz eigene Grundrauschen aus Gesprächen, Kameraklicken und Eisverkäufern.


Und genau deshalb wächst jedes Jahr aufs Neue diese Sehnsucht nach dem Gegenteil.

Nicht nach „mehr sehen“. Sondern nach weniger Trubel.


Nicht nach der nächsten Sehenswürdigkeit. Sondern nach Momenten, die sich nach uns anfühlen.



Die große Frage: Muss man sich entscheiden?


Und dann beginnt sie, unsere typische Diskussion.


Wollen wir komplett abschalten – irgendwo, wo wenig los ist, wo man morgens nur den Wind hört und abends die Stille fast greifbar wird?


Oder wollen wir doch auch ein bisschen eintauchen – in die Orte, die man „gesehen haben muss“, durch kleine Gassen schlendern, bekannte Plätze erleben, dieses besondere Flair spüren?


Die ehrliche Antwort ist: Wir wollen beides.


Und genau darin liegt die Herausforderung. Denn wie findet man Orte, die ruhig sind – und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, auch mal in das Leben der bekannten Reiseziele einzutauchen?



Unsere Erkenntnis nach vielen Reisen


Über die Jahre haben wir gelernt: Es geht. Aber nicht so, wie man zuerst denkt.

Die Ruhe findet man nicht unbedingt anstatt der bekannten Orte. Sondern oft dazwischen.

In kleinen Unterkünften abseits. In Gegenden, die nicht auf jeder Liste stehen. Und vor allem: im richtigen Timing.


Denn selbst die größten Hotspots können plötzlich still werden – früh am Morgen, spät am Abend oder an genau den Tagen, an denen alle anderen schon weitergezogen sind.


Man muss nicht immer verzichten. Man muss nur lernen, anders hinzuschauen.



Eine Reise zu unseren stillen Lieblingsorten


In den letzten Jahren haben wir genau so einige dieser besonderen Orte gefunden.


Orte, die uns gezeigt haben, dass sich Ruhe und Erlebnis nicht ausschließen. Dass man die bekannten Highlights erleben kann – ohne im Trubel unterzugehen. Und dass die schönsten Erinnerungen oft dort entstehen, wo man sie am wenigsten erwartet.


Einige dieser Plätze möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen. Aber nicht als klassische Liste. Sondern als persönliche Einblicke in genau die Momente, in denen wir sie für uns entdeckt haben. Unsere stillen Urlaubsziele der letzten Jahre...



Slowenien – viel mehr als nur ein kurzer Blick aufs Meer


Wenn Slowenien in Gesprächen über Urlaubsziele auftaucht, denken viele zuerst an diesen einen, kleinen Küstenstreifen Richtung Kroatien. Ein paar hübsche Orte am Meer, mediterranes Flair – perfekt für einen Tagesausflug.


Und ja, das stimmt auch. Diesen Teil kann man wunderbar erkunden.


Aber ganz ehrlich? Das ist nicht das Slowenien, das uns wirklich beeindruckt hat.

Die eigentliche Magie beginnt dort, wo man sich vom Meer entfernt.


Es wird ruhiger. Ursprünglicher. Fast so, als würde das Land bewusst einen Schritt zurücktreten.


Wir haben uns oft gefragt, warum sich alles so unberührt anfühlt. Ich habe irgendwann mal gehört, dass es sogar Förderungen geben soll, wenn Flächen bewusst nicht bewirtschaftet werden, sondern einfach Natur bleiben dürfen. Ob das genau so stimmt, weiß ich nicht – aber es würde einiges erklären.


Denn das, was wir dort gesehen haben, war anders.


Kleine Gebirgswiesen, durchzogen von klaren Bächen – und darin plötzlich Flusskrebse. Wiesen, die in so vielen Farben blühen, dass sie fast unwirklich wirken. Und überall Schmetterlinge, als hätte jemand sie einfach großzügig verteilt.


Und dann diese Ruhe.


Keine Geräusche im Hintergrund, nichts, was stört. Nur Natur. So still, dass es sich fast ungewohnt anfühlt.


Wir sind mehr als einmal einfach stehen geblieben. Nicht, weil es etwas „zu sehen“ gab – sondern weil es sich genau in diesem Moment einfach richtig angefühlt hat.


Und genau solche Orte schauen wir uns jetzt etwas genauer an …



Grad Žovnek – ein Ort, der fast vergessen wirkt


Einer dieser Orte, bei denen man sich fragt, warum eigentlich so wenige davon wissen, ist Grad Žovnek.


Eine alte Burgruine, irgendwo im Grünen gelegen – nichts Inszeniertes, nichts Überlaufenes. Kein großes Besucherzentrum, keine Menschenmengen. Stattdessen ein schmaler Weg, der langsam nach oben führt, umgeben von Wald und dieser typischen slowenischen Ruhe.

Schon der Aufstieg fühlt sich anders an. Leise. Entschleunigt.


Oben angekommen steht man zwischen alten Mauern, die mehr erzählen, als jedes Schild es könnte. Und dann dieser Blick – weit über die Landschaft, sanfte Hügel, Wälder, kaum Bewegung.


Es ist keiner dieser Orte, die einen „umhauen“. Es ist eher einer, der sich langsam entfaltet.

Und genau das macht ihn besonders.


Was uns zusätzlich beeindruckt hat: Dort passiert gerade etwas.


Vor Ort hängen immer wieder kleine Plakate und Hinweise darauf, dass die Burg Stück für Stück wieder aufgebaut wird – von Menschen aus der Region selbst. Kein großes Projekt, kein touristischer Masterplan, sondern echtes Engagement. Und man kann an bestimmten Tagen wohl sogar mitmachen.


Wir waren unter der Woche dort. Den ganzen Tag.

Und es ist fast absurd, das zu sagen: Wir sind niemandem begegnet.

Keine anderen Besucher. Keine Stimmen. Keine Schritte außer unseren eigenen.


Nur ein regelrechtes Gewimmel an Eidechsen, die sich auf den warmen Steinen gesonnt haben, als würde dieser Ort ganz ihnen gehören.


Und vielleicht tut er das auch ein bisschen.


Diese Kombination aus absoluter Ruhe, Geschichte und dieser fast schon stillen Lebendigkeit macht den Ort schwer greifbar – aber genau deshalb bleibt er so hängen.

Ein Platz, an dem man nicht viel „macht“. Sondern einfach ist.






Lake Bloke – ein Ort, der sich wie ein kleines Geheimnis anfühlt


Und dann gibt es diese Orte, die mehr sind als nur schön. Lake Bloke ist genau so einer.


Ein paar Häuser. Ein kleiner See. Und dieses liebevoll gestaltete Glamping – fast wie ein kleines Dorf aus Holz, das jemand mit ganz viel Herz aufgebaut hat.


Was diesen Ort für uns besonders gemacht hat, waren aber nicht nur die Hütten oder die Landschaft – sondern die Menschen. Wir wurden dort zwei Wochen lang so herzlich empfangen und umsorgt, dass es sich eher wie ein Zuhause auf Zeit angefühlt hat als wie ein Urlaubsort.


Jeden Morgen stand ein kleiner Picknickkorb für uns bereit.


Gefüllt mit selbstgemachten Lebensmitteln – nichts Aufwendiges, aber alles mit so viel Liebe gemacht, dass es genau richtig war. Frisch, ehrlich, persönlich.


Manchmal haben wir direkt vor unserer Hütte gefrühstückt. Ganz ruhig, noch ein bisschen verschlafen. Und manchmal sind wir die paar Meter zum See gelaufen – vielleicht 100 Meter – und saßen dort in der Morgensonne, mit Blick aufs Wasser.


Diese Momente … die bleiben.


Abends wurde es genauso einfach – und genauso schön.

Es gab eine kleine Outdoor-Küche, in der wir gekocht haben. Kein großer Aufwand, kein Perfektionismus. Einfach gemeinsam draußen sein, kochen, essen, den Tag langsam ausklingen lassen.


Und rundherum: diese Ruhe.

Kein Lärm. Kein Gefühl von „Programm“.

Nur Zeit.






Velika Planina – Hüttendorf über den Wolken


Eine Hochalm in den Kamnik-Savinja-Alpen, erreichbar per Seilbahn und einem kurzen Fußweg – und plötzlich steht man mitten in einer der ursprünglichsten Hirtensiedlungen Europas.


Über 100 traditionelle Holzhütten, mit ihren charakteristischen, fast futuristisch wirkenden Dächern, verteilen sich über die weiten Wiesen.


Was den Ort besonders macht, ist diese Mischung aus Kultur und Ruhe.


Im Sommer sind hier noch Hirten unterwegs, Kühe ziehen über die Alm, und man bekommt einen kleinen Einblick in eine Lebensweise, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.

Und trotzdem fühlt es sich nie wie ein „Freilichtmuseum“ an.


Man läuft einfach los, von Hütte zu Hütte, immer mit Blick auf die Berge. Je weiter man sich vom Hauptweg entfernt, desto ruhiger wird es. Und genau dort entstehen diese Momente, die bleiben.


Velika Planina ist kein Geheimtipp mehr – aber durch die Weite verteilt sich alles so gut, dass man trotzdem seine Ruhe findet. Und genau das macht diesen Ort so besonders: Ein Stück Tradition, das man erleben kann – ohne im Trubel unterzugehen.







Kroatien | Krk Wasserfälle – wenn ein Hotspot plötzlich ganz ruhig wird


Die Krk Wasserfälle im Nationalpark Krka sind eigentlich genau so ein Ort, bei dem wir normalerweise zögern würden. Zu bekannt. Zu viele Menschen.

Und trotzdem wollten wir sie sehen.


Also sind wir früh los – und dieses „früh“ hat alles verändert. Als wir ankamen, war es still. Die Holzstege fast leer, nur dieses gleichmäßige Rauschen des Wassers, das sich über die vielen Kaskaden zieht.

Wir sind langsam losgegangen, ohne Plan, einfach Schritt für Schritt.


Und plötzlich war dieser Ort nicht mehr dieser typische Hotspot, sondern einfach nur … schön. Das Wasser in diesen unglaublichen Farben, das Licht am Morgen, das sich in den kleinen Becken spiegelt, dieses satte Grün überall. Wir haben uns Zeit gelassen. Immer wieder stehen geblieben. Einfach geschaut.


Und genau das war dieser Moment, der geblieben ist.


Erst nach und nach kamen mehr Menschen.

Leise zuerst, dann immer mehr.

Und irgendwann haben wir gemerkt: Jetzt ist dieser Moment vorbei.

Also sind wir gegangen.

Was geblieben ist, ist nicht das, was man sonst über diesen Ort hört – sondern dieses Gefühl am Morgen. Dass selbst ein Ort, den scheinbar jeder kennt, für einen kurzen Augenblick ganz ruhig sein kann.




Das Faszinierendste: Das ganze Tal wirkt, als läge ein leichter Farbfilter darüber. Und das, was auf Fotos fast zu schön erscheint, ist dort einfach genau so. Ganz ohne Filter...




Insel Rügen – und alles war ganz anders als erwartet


Rügen im Juli. Hochsaison.


Eigentlich genau das, was wir vermeiden wollten – und trotzdem wurde es einer der ruhigsten Urlaube, die wir je hatten...



Die Rügenbrücke | Stralsund
Die Rügenbrücke | Stralsund

Wir haben nicht direkt in einem der bekannten Orte gewohnt, sondern gleich hinter der Rügenbrücke nahe Stralsund. In einem winzigen Dorf – vielleicht fünf Häuser, ein Bauernhof, sonst nichts. Umgeben von weiten Weizenfeldern, irgendwo zwischen Himmel und Horizont.

Dort hatten wir unsere Ferienwohnung. Und genau von dort aus haben wir zwei Wochen lang die Insel erkundet.


Morgens diese absolute Stille. Kein Verkehr, keine Stimmen – nur Wind, Felder und manchmal ein entferntes Geräusch vom Hof. Und dann tagsüber losziehen, die Insel entdecken – und am Abend wieder zurückkommen, genau dorthin, wo es ruhig ist.


Von hier aus haben wir die Insel zwei Wochen lang erkundet. Selbst in den entlegensten Winkel der Insel sind es von dort nur 40 Minuten mit dem Auto.



Dranske – Weite, Wind und ganz viel Ruhe


Einer dieser leisen Orte auf Rügen ist für mich Dranske – im Nordwesten der Insel, rau, weit und deutlich ruhiger als viele andere Ecken. Wir waren dort stundenlang unterwegs. Und fast die ganze Zeit allein.nNur ab und zu ein paar Spaziergänger, irgendwo in der Ferne.


Der Strand ist eher wild als klassisch schön – Steine, Treibholz, alles ein bisschen ursprünglicher. Genau richtig, um einfach loszulaufen.


Fossilien suchen.

Steine sammeln.

Immer wieder stehen bleiben.


Und irgendwann haben wir uns hingesetzt. Picknick am Strand – ohne Menschen um uns herum, nur das Meer, der Wind und dieses Gefühl von Weite. Dranske ist keiner dieser Orte, die man „gesehen haben muss“. Aber vielleicht genau deshalb einer, der bleibt.


Weil man dort nichts braucht – außer Zeit.






Kreativmarkt Lauterbach – zwischen kleinen Gesprächen und großen Momenten


Lauterbach, ein kleiner Ortsteil von Putbus, liegt ruhig am Wasser – mit einem kleinen Hafen, ein paar Booten und genau dieser entspannten Stimmung, die man sofort spürt, wenn man ankommt. Kein großer Trubel. Eher ein Ort zum Ankommen und Bleiben.


An einem Tag sind wir dort auf einen kleinen Kreativmarkt gestoßen. Kein klassischer Markt – eher ein Ort zum Mitmachen.


Einheimische an den Ständen, offen für Gespräche, für Geschichten, für genau diese Begegnungen, die man nicht planen kann. Man konnte einfach mitmachen: Steine schleifen, Körbe flechten, mit Strandgut basteln. Ganz ohne Druck. Einfach tun.


Und mittendrin: Musik.


Eine Musikerin, die nicht einfach nur gespielt hat – sie war Teil des Ganzen, ist immer wieder zwischen den Menschen umhergegangen, hat gesungen, ist stehen geblieben, hat weitergemacht. Die Melodie von „Rügenmädchen“ ist mir bis heute im Kopf geblieben.


Zwischen den Liedern hat sie Geschichten erzählt. Von der Insel, vom Leben dort – leicht, ehrlich, irgendwie genau passend zu diesem Ort.


Trotz der Menschen war es ruhig.

Nicht still – aber ruhig im Gefühl.


Wir saßen mit einem Kaffee in der Sonne, haben zugehört, zugeschaut, einfach diesen Tag mitgenommen.



Kreativmarkt Rügen in Lauterbach



Von Thiessow bis Jasmund – Sonne, Sand & Touristen-Hotspots?


Auf dieser Seite von Rügen liegen die berühmten Sandstrände der Insel – von Thiessow im Süden bis hoch nach Jasmund. Genau hier findet man diese langen, hellen, weichen Strände, für die Rügen so bekannt ist. Auf den anderen Seiten der Insel wirkt die Küste oft ganz anders: steiniger, rauer, stellenweise mit Bodden, Steilufern oder ganz anderer Landschaft. Hier aber haben Wind, Wellen und Strömung über lange Zeit genau das geschaffen, was man mit dem typischen Ostseestrand verbindet.


Natürlich liegen an diesem Küstenabschnitt auch die bekannten Strandbäder. Gerade in der Saison kann es dort schnell voll werden, mit allem, was dazugehört. Aber wir haben gemerkt: Man muss oft gar nicht weit fahren oder nur ein Stück weiterlaufen, und plötzlich hat man fast denselben schönen Sandstrand vor sich – nur ohne dieses Sardinenbüchsen-Gefühl. Dann gibt es eben keine Pommesbude, keinen Souvenirstand und nicht überall gleich den nächsten Kiosk. Dafür gibt es Platz, Ruhe und dieses Gefühl, wirklich am Meer zu sein.


Genau dort haben wir unsere Badeausflüge gemacht. Mal einfach nur ins Wasser, mal stundenlang am Strand entlang, immer auch mit Blick nach unten. Denn zwischen Sand und Steinen gab es so viel zu entdecken: Bernstein, Muscheln, Donnerkeile, versteinerte Seeigel und andere kleine Fundstücke, die jeden Spaziergang ein bisschen wie eine Schatzsuche gemacht haben.


Besonders schön war das mit unserer Tochter. Aus all den gesammelten Steinen, Fossilien und kleinen Schätzen haben wir im Sand Mandalas gelegt – ganz einfache, vergängliche Bilder direkt am Strand. Das sind genau diese Momente, die bleiben: baden, suchen, sammeln, sitzen bleiben, weiterbauen. Und plötzlich braucht es gar nicht mehr als Meer, Sand und Zeit zusammen.






Hiddensee – zwischen Ankunft und Aufbruch


Hiddensee ist kein stiller Ort – zumindest nicht auf den ersten Blick.


Wenn die Fähre ankommt, füllt sich alles ziemlich schnell. Menschen strömen los, die bekannten Wege werden lebendig, und an den Hotspots entsteht genau dieses typische Inselgefühl, das man erwartet.


Und trotzdem haben wir sie ganz anders erlebt.


Vielleicht, weil es dort keine Autos gibt. Man steigt von der Fähre, setzt sich aufs Fahrrad – und ist einfach unterwegs. Kein Warten, kein Verkehr, kein wirkliches Ankommen im klassischen Sinne. Man fährt einfach los und lässt den ersten Trubel ganz langsam hinter sich.

Wir haben irgendwann gemerkt, dass es gar nicht darum geht, die vollen Orte zu vermeiden. Sondern den Moment dazwischen zu finden. Zwischen den Fähren und zwischen den Kremserfahrten, die in ihren festen Rhythmen über die Insel ziehen.


Und genau in diesen kleinen Zeitfenstern verändert sich alles.


Die Wege werden leerer, die Geräusche leiser, und plötzlich fährt man durch die gleiche Landschaft – aber mit einem ganz anderen Gefühl.


Durch die Dünen, vorbei an Feldern, mit Blick auf das Meer, und zum Teil auch ohne jemandem zu begegnen.


Es sind keine großen Unterschiede.

Nur ein bisschen Timing.

Ein bisschen Gespür.

Aber genau das macht den Unterschied.


Und so bleibt Hiddensee für uns nicht als voller Tagesausflug in Erinnerung, sondern als eine Insel, die genau dann ruhig wird, wenn man sie nicht erzwingen will und einfach im richtigen Moment unterwegs ist.






Rasender Roland – wenn der Tag langsam leiser wird


Der Rasender Roland ist eigentlich so ein typischer Klassiker auf Rügen, einer von denen, bei denen man zuerst denkt: nett, aber wahrscheinlich auch ziemlich touristisch.

Wir haben uns bewusst für die letzte Fahrt des Tages entschieden – und saßen in einem offenen Wagon, mit freiem Blick in diese weite Landschaft, die im Abendlicht immer weicher wurde.


Schon beim Losfahren war es ruhig. Kein Gedränge mehr, eher dieses leise Ausklingen eines Sommertages. Der Zug setzte sich langsam in Bewegung, und mit jedem Meter wurde klar, dass es weniger um die Fahrt selbst ging, sondern um das, was draußen passiert.


Die Felder zogen vorbei, golden und ruhig – und dann waren sie plötzlich überall. Rehe.

Nicht nur vereinzelt, sondern immer wieder, in kleinen Gruppen, verteilt über die unzähligen Weizenfelder. Sie bewegten sich so selbstverständlich durch die Landschaft, als würde ihnen dieser Abend gehören.


Wir saßen einfach da, haben geschaut, kaum gesprochen.


Und neben uns diese leuchtenden Augen.


Unsere Tochter, völlig still, völlig vertieft, hat jedes einzelne Tier entdeckt, als wäre es das erste. Dieses Staunen, dieses echte Erleben – genau das hat diesen Moment noch einmal ganz anders gemacht.





Es war keine spektakuläre Fahrt. Aber sie hat sich angefühlt wie ein Ausklang, wie ein langsames Zur-Ruhe-Kommen nach einem langen Tag.


Und vielleicht ist genau deshalb auch dieses kleine Detail geblieben:

Eine Schneekugel mit dem Roland darin, die wir irgendwann mitgenommen haben. Und die heute noch manchmal in der Hand genommen, geschüttelt und angeschaut wird. Ein bisschen verträumt und auch wehmütig – als würde sie genau diesen letzten Abend unseres Rügenurlaubs wieder einfangen...



Und dann stellt sich wieder die gleiche Frage


Und dann ist sie irgendwann wieder da, diese Frage: Wohin fahren wir dieses Jahr?


Sie kommt jedes Mal ein bisschen anders – und am Ende führt sie uns doch wieder in genau diese Richtung, die wir inzwischen so gut kennen.


Dieses Jahr: ein kleiner Bauernhof im Weserbergland, umgeben von Feldern, Hügeln und dieser ruhigen, weiten Landschaft. Kein Ort, den man auf den ersten Blick mit „Urlaub“ verbindet. Und vielleicht gerade deshalb genau richtig. Vielleicht hat sich die Frage über die Jahre gar nicht verändert. Nur unsere Antwort darauf.


Wir suchen nicht mehr nach dem Besonderen im Außen. Sondern nach Orten, an denen es leise wird. Und vielleicht wird es auch dieses Mal wieder so sein:


Dass wir morgens aufwachen und erst einmal nichts hören. Dass der Tag nicht schon verplant ist, bevor er begonnen hat. Dass wir einfach schauen, was entsteht.


Und irgendwo dazwischen liegen sie dann wieder, diese kleinen Momente. Ungeplant. Unaufgeregt. Und genau deshalb so wertvoll.


Weil sie nicht danach fragen, wohin man fährt – sondern nur danach, ob man bereit ist, wirklich anzukommen.

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